Was ist das Endocannabinoid-System?
Jeder Mensch verfügt über ein Endocannabinoid-System (ECS), das aus speziellen Cannabinoid-Rezeptoren, körpereigenen Botenstoffen (Endocannabinoide) sowie Enzymen, die an deren Bildung und Abbau beteiligt sind, besteht.
Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge spielt das ECS eine wichtige Rolle bei der Regulation verschiedener körperlicher Prozesse, darunter:1
- Schmerzwahrnehmung
- Schlaf und Schlaf-Wach-Rhythmus
- Appetit und Stoffwechsel
- Stimmung und emotionales Gleichgewicht
- Gedächtnis- und Lernprozesse
- Stressverarbeitung
- Funktionen des Immunsystems
- Motorik und Bewegungsabläufe
Die in Cannabis enthaltenen Cannabinoide wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) können mit diesem System interagieren und an dessen Rezeptoren binden. Aus diesem Grund steht das Endocannabinoid-System im Mittelpunkt der Forschung zu medizinischem Cannabis und dessen Anwendungsmöglichkeiten.
Was ist Tetrahydrocannabinol (THC)?
Tetrahydrocannabinol (THC) ist eines der bekanntesten Cannabinoide der Cannabispflanze. Der psychoaktive Pflanzenstoff bindet insbesondere an die Cannabinoid-Rezeptoren 1 (CB1), die vor allem im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark), wodurch verschiedene körperliche und psychische Prozesse beeinflusst werden.2
Die Wirkung und Verträglichkeit von THC können je nach Dosierung, Darreichungsform und individueller Faktoren unterschiedlich ausfallen. Aus diesem Grund wird die Anwendung von THC-haltigen Arzneimitteln ärztlich begleitet.
Was ist Cannabidiol (CBD)?
Cannabidiol (CBD) ist das zweitwichtigste Cannabinoid der Cannabispflanze, das ebenfalls mit dem Endocannabinoid-System interagiert und dadurch verschiedene Prozesse im Körper beeinflusst.
Aus wissenschaftlicher Sicht gilt CBD als psychoaktive Substanz, da es Auswirkungen auf Vorgänge im Gehirn und Nervensystem haben kann. Im Gegensatz zu THC löst CBD jedoch keinen Rauschzustand aus und wird nicht mit den typischen berauschenden Effekten von Cannabis in Verbindung gebracht.
Welche Nebenwirkungen kann medizinisches Cannabis verursachen?
Wie viele andere Arzneimittel kann auch medizinisches Cannabis Nebenwirkungen verursachen. Ob und in welchem Ausmaß diese auftreten, hängt unter anderem vom verwendeten Präparat, der Dosierung sowie von individuellen Faktoren ab.
Zu den häufig berichteten Nebenwirkungen zählen:
- Müdigkeit
- Schläfrigkeit
- Schwindel
- Mundtrockenheit
- Appetitveränderungen
- Erhöhte Herzfrequenz
Insbesondere zu Beginn einer Therapie oder nach einer Dosisanpassung kann die individuelle Reaktion auf das Arzneimittel variieren. Treten Nebenwirkungen auf oder bestehen Unsicherheiten hinsichtlich der Verträglichkeit, sollten Patientinnen und Patienten ihre behandelnde Ärztin oder ihren behandelnden Arzt kontaktieren.
Medizinisches Cannabis kann in unterschiedlichen Darreichungs- und Anwendungsformen verordnet werden. Zu den verfügbaren Optionen zählen Cannabisblüten, Cannabisextrakte sowie cannabinoidhaltige Fertigarzneimittel.
Cannabisblüten werden in der Regel mithilfe eines geeigneten medizinischen Verdampfers inhaliert. Hingegen können Extrakte und bestimmte Fertigarzneimittel oral oder sublingual angewendet werden.
Welche Anwendungsform im Einzelfall infrage kommt, richtet sich nach der ärztlichen Verordnung und den individuellen Anforderungen der Behandlung.
Darf nach der Anwendung von Cannabis ein Fahrzeug geführt werden?
Grundsätzlich gilt, dass jeder, der ein Fahrzeug führt, jederzeit fahrtüchtig sein muss und nicht durch die Wirkung eines Arzneimittels in seiner Wahrnehmung, Reaktionsfähigkeit oder Aufmerksamkeit beeinträchtigt sein darf.
Zu Beginn einer Therapie mit medizinischem Cannabis, nach einer Dosisanpassung oder beim Wechsel des verordneten Cannabisarzneimittels kann die individuelle Reaktion auf die Behandlung variieren. In diesen Phasen sollten Patientinnen und Patienten besonders vorsichtig sein und die Empfehlungen ihrer behandelnden Ärztin oder ihres behandelnden Arztes beachten.
Für Patientinnen und Patienten mit einer ärztlich verordneten Cannabistherapie gelten zwar teilweise andere rechtliche Rahmenbedingungen als für Personen, die Cannabis ohne medizinische Verordnung anwenden, dennoch bleibt die Voraussetzung bestehen, dass die Fahrtüchtigkeit nicht eingeschränkt sein darf.
Bei Unsicherheiten hinsichtlich der Auswirkungen der Therapie auf die Verkehrstüchtigkeit sollten Patientinnen und Patienten ärztlichen Rat einholen, bevor sie aktiv am Straßenverkehr teilnehmen.
Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel werden ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken bereitgestellt. Sie sind nicht als medizinischer oder rechtlicher Rat zu verstehen und können eine individuelle Beratung durch qualifizierte Fachpersonen nicht ersetzen. Aus den dargestellten Inhalten lassen sich weder Empfehlungen für den Einsatz von Cannabis noch Aussagen über mögliche Behandlungsergebnisse ableiten. Bei Fragen zur Gesundheit, zu bestehenden Beschwerden oder zu einer konkreten Therapie sollten Betroffene stets den Rat ihrer behandelnden Ärztin oder ihres behandelnden Arztes einholen. Trotz sorgfältiger Erstellung der Inhalte kann keine Haftung für deren Vollständigkeit, Aktualität oder Fehlerfreiheit übernommen werden.
Quellenangaben
- Lu HC, Mackie K. An Introduction to the Endogenous Cannabinoid System. Biol Psychiatry. 2016 Apr 1;79(7):516-25, Download vom 6.6.2026 von https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4789136
- Terence Ng; Vikas Gupta; Maureen C. Keshock, Donald and Barbara Zucker School of Medicine at Hofstra, Northwell, Wellness Psychiatry P.C, Cleveland Clinic Foundation, Tetrahydrocannabinol (THC), November 12, 2023, Download vom 6.6.2026 von https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK563174/
- Zuardi AW, Crippa JA, Hallak JE et. al, A critical review of the antipsychotic effects of cannabidiol: 30 years of a translational investigation. Curr Pharm Des. 2012;18(32):5131-40, Download vom 6.6.2026 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22716160/